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Bewältigung und Ordnung- zwei Themen, ein Konzept

In letzter Zeit habe ich mich intensiv mit der Traumaheilung auseinandergesetzt. Obwohl ich (noch) keine therapeutische Zusatzqualifikation habe, klopft das Thema immer wieder bei mir an, nicht zuletzt durch persönliche Erlebnisse, die bearbeitet werden wollen.

Da ich während meiner eigenen mentalen Neuausrichtung zeitgleich auch mein äußeres Umfeld in Ordnung bringe, sind mir Parallelen zwischen Traumabewältigung und Ordnungssystemen aufgefallen, die ich dir nicht vorenthalten will.

Natürlich ist mein Ansatz keine therapeutische Methode- schau daher wie immer, ob du etwas damit anfangen kannst und frag bei Zweifeln immer noch einmal jemanden, die therapeutisch geschult ist.

Ordnung außen = Ordnung innen

Als großer Fan von Ordnungsvideos bin ich auf einer Streamingplattform auf Clutterbug gestoßen: Sie ordnet unterschiedliche Aufräumtypen vier unterschiedlichen Stilen zu und bietet Systeme für alle an, mit denen der Haushalt wunderbar werden soll.

In einem ihrer Videos nutzt sie einen Satz, den ich seitdem auch persönlich einsetze -allerdings nicht, um aufzuräumen oder um meinen Zeitplan zu verschlanken, sondern um mich von alten, aus dem Trauma gespeisten Erwartungen und Handlungsautomatismen zu befreien.

Wenn wir in einer dysfunktionalen Familie aufgewachsen sind, lernen wir, wir wir uns am besten verhalten, um zu “überleben”:

Dabei eigenen wir uns Verhaltensweisen an, die zwar damals hilfreich waren. Auf dem Weg zu uns selbst können wir diese aber neu hinterfragen und bessere, für unser heutiges Leben geeignete Handlungen einsetzen, die gut für uns sind.

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Der Satz, der dies nicht nur für Ordnung in der Wohnung, sondern auch in den Gefühlen möglich machen kann, lautet:

“Do I have to do that now?” auf Deutsch: “Muss ich das jetzt machen?”

Im Original nutzt Clutterbug den Satz, um Aufgaben auf der ToDo-Liste in Prioritäten zu ordnen. Dafür betont sie jedes Wort unterschiedlich und fragt nach dem Sinn dahinter:

  1. MUSS ich das machen? Also ist es ein Muss, diese Aufgabe zu erledigen?
  2. Muss ICH das machen? Ist es wirklich meine Aufgabe oder kann ich sie abgeben?
  3. Muss ich DAS machen? Gibt es etwas, das dringender erledigt werden sollte?
  4. Muss ich das MACHEN? Oder kann ich die Sache kaufen, zb den Kuchen anstatt ihn zu backen.

Genial einfach, und so wirkungsvoll!

Auch im Umgang mit deiner Familie kann das System helfen, dir klarzumachen, ob du gerade in einem alten Muster steckst oder ob du aus deinem erwachsenen, bewussten Ich heraus handelst.

Ich gebe dir ein Praxisbeispiel, damit das Vorgehen klarer wird

Aus dem Nachlass meiner Mutter waren viele Fotos übrig, die in Kisten steckten. Eine dieser Kisten wurde von meinem Bruder über meine Tochter an mich übergeben. Da mein Bruder nicht mit mir spricht, konnte ich die Annahme nicht verweigern. Ganz typisch für ein dysfunktionales System hat er den Weg über eine dritte Person (meine Tochter) gewählt, um der Kommunikation mit mir auszuweichen und um Kontrolle auszuüben. (Falls du das Muster erkennst, weißt du vielleicht schon, dass es sich um ein Narzisstisches System handelt. )

Die Kiste stand längere Zeit bei mir, und immer wenn ich sie ansah, kamen ungute Gefühle hoch. Zum einen wegen der Art, wie sie zu mir kam und zum anderen wegen der Fotos selbst und den Erinnerung an eine nicht gute Zeit. Das Sortieren war also mit vielen negativen Gefühlen verbunden und sorgte im Vorfeld für Bauchschmerzen.

Um mich der Aufgabe “Fotos sortieren” doch zu nähern, habe ich obiges Fragenmuster benutzt:

1. “MUSS ich das machen?” Nein, ich kann die Fotos auch ungesehen entsorgen. Ich entscheide selbst, welche Aufträge ich von wem annehme, auch wenn die Form der verbalen oder emotionalen Gewalt angewendet wurde, um sie zu “übergeben”. Es war wichtig, dass ich mir diese Möglichkeit, also das Entsorgen, erlaubte. Erst dann konnte ich entscheiden, ob ich sie mir ansehen wollte der nicht.

2. “Muss ICH das machen?” Nach dem Ausschlussprinzip von 1 hätte ich sie auch zurückgeben können, a la nicht meine Baustelle. Anhand der Beschriftung sah ich aber, dass Fotos von meinen Kinder mit in der Kiste waren. Diese Last wollte ich nicht ungefiltert auf meine Kinder übertragen. Hier also ein klares JA.

3. “Muss ich DAS machen?” Die Kiste stand etwa ein Jahr im Flur, bis ich mich entschieden habe, mich ihr zu nähern. Es gab also eine Menge anderer Dinge, die ich zuerst als wichtiger empfand, als mich diesem Thema zu widmen. Du hast immer das Recht, deine Aufgaben zu priorisieren und dir für dich passende Zeitpunkte für sie auszuwählen.

4. “Muss ich das MACHEN?” Siehe wieder 1- nein, ich hätte sie entsorgen können. Da es sich um persönliche Fotos handelte, konnte ich nicht guten Gewissens delegieren, und zurückgeben kam nicht in Frage, da es den toxischen Kreislauf mit meinem Bruder befeuert hätte.

Die Fragen haben das Feld der Gefühle schon gut vorsortiert

Letztlich habe ich die Bilder von meinen Kindern herausgenommen, sie ihnen übergeben und die Bilder aus meiner eigenen Kindheit aussortiert. Dafür habe ich mir einen Zeitpunkt gewählt, an dem ich in Ruhe die Gefühle fühlen konnte, die mit der Sortiererei einhergingen.

Ich habe also das Ordnungssystem genutzt, um einen Umgang mit einigen schwierigen Themen zu finden. Das hat bei der Bewältigung geholfen, und ich konnte erleben, dass ich kontrollieren kann, wann und wie ich mich emotionalen Themen widme.

Gleichzeitig habe ich mich in meiner Rolle als heutige Erwachsene bestärkt und bin meiner Heilung von diesen schwierigen Themen ein Stück näher gekommen.

Ein ziemlich gutes Ergebnis, wie ich finde! 🙂

Wenn du magst, schau auch gerne mal, ob du die Fragen von oben für dich im Allag nutzten kannst. Vielleicht schaffst du es so, bei einem Thema eine gesunde Distanz einzubauen, die dir sonst nicht so leicht von der Hand gegangen wäre.

Du darfst dir erlauben, energieraubende Themen in genau deinem Tempo anzuschauen. Mach es dir dabei so leicht, wie es nur geht. Du bist heute, und du bist wertvoll, und du bestimmst, was du für deine Heilung brauchst. Wenn du Fragen hast, schreib mich gerne an.