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Ist denn schon wieder Muttertag?

Heute vor einer Woche war Muttertag. Wie schon im letzten Jahr fürchtete ich mich ein wenig davor, pünktlich einen Text zu schreiben, der die Tradition dieses Tages gleichzeitig kritisiert, würdigt und in Frage stellt. Als Ergebnis teile ich heute, mit extra Zeitverzögerung, welche Gefühle in mir aufkommen, wenn ich über das Konstrukt Muttertag nachdenke.

Muttertag ist jeden Tag

Wie in vielen anderen Bereichen muss ich in Betrachtung der Sache meine unterschiedlichen Rollen trennen, wenn ich einigermaßen heil über die vielen Fettnäpfchen hinweg stolpern will. (Ich denke, das wird mir trotzdem nicht gelingen.)

Meine Rollen haben nämlich völlig gegensätzliche Ansprüche an den Aushängefeiertag der partiarchalischen Machtausübung. (So viel zum Thema Fettnäpfchen…) Ja, das war die Feministin, die da sprach.

Muttertag- geht gar nicht, weil die kapitalistische Arbeitslast immer noch zu 70 Prozent auf den Frauen lastet, während sie weniger als die Väter verdienen, die auch noch weniger an der Haushaltsarbeit beteiligt sind- bei gleichem Arbeitsvolumen wohlgemerkt.

Und dann noch die Tradition, aus der er entstammt…historische Geschichtsverklärung, das! Nein, die Feministin in mir findet den Muttertag scheisse. Lediglich den Frauen, die ihr Selbstbewusstsein aus dem Begleiten und Versorgen von Kindern ziehen, möchte die Feministin gönnen, dass dem so ist.

Aber mehr zahlen würde sie ihnen trotzdem.

Die alte(rnde) und nicht privilegierte Alleinerziehende in mir hat jedes Jahr das Gefühl, sie müsste laut schreien, wenn sie sieht, wie sich gestandene Frauen mit Blumen von der Tanke abspeisen lassen, während der Unterhalt für die Kinder nicht oder nur unregelmäßig gezahlt wird und vor Gericht weiter um den Umgang und das Sorgerecht gestritten wird.

Ja, es gibt sie, die wunderbaren Paare, die sich einvernehmlich trennen und es danach ohne Machtgeschiebe hinbekommen, dass die Elternebene von der Paarebene getrennt ist und die Kinder keinem Loyalitätskonflikt ausgesetzt sind.

Viele sind es nicht, die den Weg in meine Beratung finden, aber das liegt wohl in der Sache selbst begründet. Wahrscheinlich bin ich, was das Konfliktpotential von Erwachsenen angeht, deshalb ein bisschen voreingenommen.

Die Frau in mir, die mit knapp erwachsenen Kindern endlich wieder die Zeit hat, sich mit ihren Bedürfnissen in den eigenen Mittelpunkt zu stellen und herauszufinden, was sie will, steht vor anderen Fragen:

  • Mehr Zeit fürs Lesen oder Schreiben?
  • Spaziergänge, um Kräuter zu sammeln?
  • Ein neues Haustier?
  • Ein dritter Bildungsabschluss?

In der Flut medialer Bilder ist sie nicht so ganz sicher, wohin die Reise gehen soll. Angeblich ist ja einiges möglich, wenn man sich selbst verwirklichen will.

Etwas überfordert geht sie auf der Suche nach sich selbst nach innen. Schön ist es da!

Die Coachin sieht alle diese Rollen und atmet tief ein. Und sie atmet aus. Sie weiß, dass die Konkurrenz zwischen allen früher oder später zu Konflikten führen wird:

Sie sieht die Altersarmut, die gesetztlichen Rahmenbedingungen, den internationalen Vergleich und die wachsenden Ansprüche an Frauen…. Und trotzdem kennt sie das eine, das einzige wahre Wundermittel, das aus diesem Chaos herausführen wird:

Radikale Selbstliebe.

Die Mutter schnaubt verächtlich, das will sie nicht hören. Und wann sollte sie sich auch selbst lieben, zwischen der Wäsche und den Fahrdiensten und den kranken Kindern und überhaupt, wo jetzt die Betreuung und die Schule so lange ausgefallen sind…

Die Feministin erschrickt. Hat sie etwa übersehen? Wird hier gerade Kritik an ihrer Weiblichkeit geübt? Nein beruhigt die Coachin, alles in Ordnung, solange der Protest nicht zum Selbstzweck gegen den alten Feind geführt wird… Oh. Treffer.

Die Alleinerziehende schweigt. Sie hat sich aus der Diskussion um die Selbstverwirklichung zurückgezogen, denn ihre Realität ist eine andere.

Essen auf den Tisch bekommen, den Überblick behalten, Existenz sichern, Schichtdienste planen, die geringen Altersvorsorgebeiträge aufgrund ihrer Biografie im Blick behalten. Die Selbstliebe muss wann anders dran sein.

Und welche Rollen spielst du?

Ja, wie immer in der Zeit nach dem Muttertag (und auch schon am Tag selbst) finde ich meinen persönlichen Standpunkt am ehesten in der Rolle der Coachin. Meine persönliche Wahrheit, die ich auch in meine Arbeit einfließen lasse, lautet daher so:

Solange du im Außen dafür kämpfst, dass jemand anderes dir gibt, was du brauchst, so lange bist du ein Spielball. So lange du der Regierung oder dem Expartner/der Expartnerin die Verantwortung für dein Glück überlässt, so lange bist du nicht frei.

Natürlich wäre es schön, wenn die Kindergärten wieder aufmachen würden. Oder wenn du deine Arbeit zuhause mit deinem Partner/deiner Partnerin teilen könntest, und vlt sogar etwas Wertschätzung für die blöde Wäschemacherei und das Kochen und dein Zeitmanagement bekämst. Oder wenn du die Mithilfe deiner Teens im Haushalt nicht hundert Mal ansagen müsstest.

Aber es läuft genau anders herum:

Erst, wenn du anfängst, dir deine Wunden und Urteile über dich selbst und andere anzusehen, wenn DU DIR SELBST liebevolle Wertschätzung für alles zukommen lässt, erst dann kommst du deiner eigenen Wahrheit wieder näher- und dann öffnen sich alle Türen, die du verschlossen geglaubt hast.

Möglich, dass das am Muttertag niemand hören will. Und auch heute, eine Woche später, wahrscheinlich auch nicht.

Der Feind im Außen ist leichter zu ertragen.

Ich finde es in Ordnung, noch nicht so gerne hinschauen zu wollen, denn der Alltag für Frauen ist herausfordernd, und wer nimmt nicht gerne ein bisschen Ablenkung und Blumen und Schokolade entgegen.

Trotzdem: Wenn du dich nun irgendwie berührt fühlst von meinen Worten, dann ist das ein Zeichen. Mag sein, dass es ein bisschen weh tut, ja. Aber da gibt es in dir wohl doch einen Anteil, der etwas verändern will, auch wenn du noch nicht weißt, was.

Vielleicht magst du damit anfangen, dieser leisen Stimme Gehör zu schenken.

Was erzählt sie dir? Hat sie noch Träume? Hat sie sich ein anderes Leben vorgestellt? Kannst du ihre Trauer, ihre Lebenslust spüren?

Was auch immer aus deinen Tiefen zum Vorschein kommt, diese Stimme ist dein Wegweiser. Du darfst dich auf den Weg machen, die äußeren Umstände sind nur das Geländer auf diesem Weg- du kannst darüber klettern oder drunter durch oder du kannst sie durchbrechen und neu aufbauen.

Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Zum Muttertag und für die ganze Zeit danach und davor wünsche ich dir also, dass du gut zu dir bist.

In dir ist etwas, das strahlen will.

Schenk diesem Strahlen doch heute selbst ein Stück mehr liebevoller Aufmerksamkeit. Gib dich dem Traum ein bisschen hin. Und wenn du danach etwas verändern willst oder über die tiefen Gefühle sprechen magst, die du entdeckt hast, schreib mich gerne an. Ich gehe gern ein Stück mit dir.

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