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Wie geht Selbstliebe?

Vor einigen Tagen durfte ich ein Seminar halten, in dem es um Ressourcen und Selbstliebe im Alltag ging. Meine Herzensthemen!

Wie immer nach solchen Seminaren komme ich um die Selbstreflexion nicht herum, denn das, was ich vermittele, berührt durch den Kontakt zu anderen natürlich auch wieder mich. Ein Stück davon möchte ich hier mit dir teilen.

Im Seminar saßen knapp 20 berufstätige Mütter, die eines einte: Alle merkten, dass in ihrem Alltag eine Balance zwischen “den Dingen”, d.h. zwischen den Aufgaben, und ihren eigentlichen Wünschen, oft kaum zu erschaffen ist. Und diese Erkenntnis war bei fast allen mit Schmerz, mit Trauer oder auch mit Wut besetzt, gefolgt vom Noch-Nicht-Wissen, wie es anders gehen könnte.

Gut, wenn ein Seminar Hoffnung verspricht 🙂

Wie schon im Seminartitel angekündigt, sollte es um eine selbstliebevolle Perspektive für Working Moms gehen. Selbstliebe- eine simple Lösung, die ich auch schon an der einen oder anderen Stelle ohne weitere Erklärung herausgehauen habe.

Aber, und hier wird es spannend: Wie soll man wissen, wie das geht, wenn man eben noch nicht weiß, wie es geht?

Um hier genauer hinzusehen, wurde in einem ersten Schritt gesammelt, was zur Selbstliebe gehören kann, also was die optimale Form von regelmäßig ausgeübter Eigenzentrierung sein könnte.

Selbstliebe kann bedeuten:

  1. sich schön zu finden
  2. auf sich zu achten
  3. die eigenen Grenzen zu erkennen und zu setzen
  4. sich zu akzeptieren mit allen vermeintlichen Unebenheiten und “Schwächen”
  5. sich Zeit für sich zu nehmen
  6. seinen Rhythmus zu kennen und ihm zu folgen
  7. zu wissen, was mag ich und was nicht
  8. NEIN zu sagen.

Soweit so gut. Ich bin sehr froh, dass uns im Seminar so viel zur Selbstliebe eingefallen ist, denn das heißt, dass schon eine grobe Idee davon vorhanden ist, wie das eigentlich gehen kann.

Nun kommt allerdings das dicke ABER:

Wenn es so einfach wäre, würden wir alle als schwebende Wohlfühlelfen durch den Tag gleiten, ein Lächeln im Gesicht und alles wäre Zucker. Ist es aber nicht.

In der Realität sieht es eher so aus, dass es gute Hinderungsgründe gibt, warum die Selbstliebe zu kurz kommt. Erst wenn wir uns diese auch bewusst machen, können wir einen neuen Ansatzpunkt finden.

Hinderungsgründe können sein:

  • Vergleich zwischen mir und anderen, und dabei ist es egal, ob die andere Person gleich alt oder jünger ist oder reicher oder oder- der Vergleich ist der Tod des Selbstwerts. Social Media erzählt uns eine andere Geschichte, und wir glauben sie so schnell, dass wir gar nicht merken, dass wir belogen werden.
  • Nicht zu wissen wie etwas geht, etwa Schönheitsrituale. Nicht alle von uns sind mit Müttern oder Rollenvorbildern aufgewachsen, die eine tolle selbstfürsorgliche Routine hatten oder wussten, was ihr steht. Und selbst wenn, konnten sie es vlt nicht vermitteln, oder es war eine andere Zeit, oder das was sie machten, funktioniert nicht für uns, oder wir haben nicht die gleichen Mittel zur Verfügung (siehe oben, Vergleich).
  • Grenzen setzen birgt die Gefahr der Ablehnung, der Ausgrenzung, des Alleineseins. Dafür braucht es Mut, Ressourcen, einen stabilen inneren und äußeren Ort, an den man gehen kann. Auch hier gilt- wer ohne grenzensetzende Vorbilder aufwächst (Traume, dysfunktionale Familien), hat Grenzen setzen noch nicht gelernt oder verbindet Grenzen mit Schmerz und Strafe.
  • Es gibt andere Personen, die Aufmerksamkeit brauchen, so dass wir weniger Zeit haben. Erziehende und Pflegende wissen, was ich meine.
  • Die Entfremdung von unseren Körpern (Pille als Gleichmacher, plastic food, Schönheitsideale aus dem Filter, feste Arbeitszeiten) hat uns von der/unserer Natur entfremdet. Die Periode kommt “unpassend”, wird unterdrückt im Urlaub, wird versteckt. Aufstehen erfolgt zu von Dritten vorgegebenen Zeiten (tschüß, Biorhythmus).
  • Der gesellschaftliche Konformitätsdruck ist groß, auch was Erreichbarkeiten angeht. Eine Auszeit für Trauer, Abschied, Schmerz wird eher weniger akzeptiert. Schwer, die eigene innere Uhr da ticken zu hören und zu wissen, was gerade gebraucht wird.
  • Werbung und Konzerne haben Schönheit und Rückzug kommerzialisiert und mit einer Fülle an Produktpaletten verknüpft. Du kannst dich nur selbst lieben, wenn du xyz kaufst, oder wenn du hierhin ins Spa fährst. Millionen Serien und Filme propagieren Retail Therapy als Heilmittel. Konsum statt Auszeit wird vorgelebt.

Dass viele von uns entmutigt sind, sich bei diesen Gegenargumenten noch um sich zu kümmern, leuchtet ein. Und trotzdem ist der einzige Weg, sich selbst wieder in den Mittelpunkt zu stellen, sich um seine Bedürfnisse zu kümmern:

Uns Zeit nehmen, um nachzufühlen. Nein sagen lernen. Uns dem eigenen Prozess hinzugeben, Rückschläge und geplatzte Träume zu verarbeiten. Langsamer zu werden, wenn der Körper danach verlangt. Weinen und lachen, wenn es dran ist. Und uns selbst immer wieder der Aufgabe zu stellen, ja zu sagen. Zu uns, zu unseren Körpern, und zu unserer Geschichte.

Ich hoffe, das gelingt uns immer besser. Gerade als Vorbilder der nächsten Generation sind wir es nicht nur uns selbst schuldig, sondern im Grunde genommen der gesamten Welt.

Alles, was wir für uns tun, oder für uns lassen, wovon wir uns befreien, kommt denen zu gute, die es noch nicht selbst schaffen, sich gut zu versorgen. Echte Selbstliebe schadet nicht.