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Relaunch.

In diesem Artikel geht es um Verändungen, die durch eine mögliche Brustkrebserkrankung ausgelöst werden. Ich beschreibe meine persönliche Erfahrung, keinen Heilungsweg. Bitte schau, ob du den Artikel lesen möchtest.

Der Blick aus dem Fenster ist immer gleich. Wolken, Dächer, Waldrandgrün. Die, die hinausschaut, hat sich verändert.

Nach rund zwei Monaten innerem Rückzug einen Blogeintrag zu verfassen, fällt mir nicht leicht. Als ich in die Pause ging, hatte ich mir zum Ziel gesetzt, einmal zu schauen, wie ich weiterarbeiten will, wohin die Reise mit Anker im Alltag und mir, der Kapitänin, geht. Ich wusste schon, dass es Veränderungen geben würde. Dass sie so umfassend sein würden, darauf war ich nicht gefasst.

Kein Alkohol und…

Um mich neu auszurichten, begann ich damit, dass ich entschied, keinen Alkohol mehr trinken zu wollen. Ein Erlebnis im Bekanntenkreis hatte mich daran erinnert, dass Alkohol ein Nervengift ist, das Körperfunktionen außer Kraft setzt.

Beziehungen werden durch den Konsum massiv gestört, Folgen zeigen sich im Alltag und in Körper und Seele.

Mit Blick auf auch bei mir ungesunde Gewohnheiten setzte ich mir 8 Wochen Abstinenz zum Ziel, auch um den Bekannten in seiner Abstinenz zu unterstützen.

Der Anfang war schwer- Sommer, Sonne Alkohol… muss doch so sein, oder? Momjuice- Memes im Netz zeigen das deutliche Ausmaß der gesellschaftlichen Gehirnwäsche, wenns um der Deutschen liebste Droge geht.

Ich bin dabei geblieben, nüchtern leben tut mir gut.

Mittlerweile bin ich über Tag 75 hinaus, und ich habe entschieden, nicht mehr zu trinken. Gar nicht mehr, kein bisschen, und auch nicht ganz selten. Es fühlt sich hervorragend an, immer bei klarem Verstand zu sein, und meine Feinfühligkeit entfaltet sich endlich in vollem Glanz.

Gut, dass ich dem Körper zu diesem Zeitpunkt einen höheren Stellenwert eingeräumt hatte. Gut, dass ich mich mehr um mich kümmerte, mit dem Ziel, die Mutterrolle abzustreifen und zu schauen, was es da noch gibt unter all den alten Lagen von Versorgung und Care- meist für Andere, kaum für mich. Gut, dass ich mir erlaubt habe, mehr in mich hinein zu fühlen und gesunde Routinen aufzubauen.

Abstreifen und neu Ankleiden- auf die harte Tour

Denn: An einem Sonntag vor 4 Wochen entdeckte ich beim morgendlichen Abtasten meiner Brust etwas, was dort nicht hingehörte.

Klein, rund, fremd in mir. Ich bekam Panik, tastete erneut, es blieb. Ein Knoten in der Brust.

Die noch nicht vollständig verdauten Bilder von meinem Vater tauchten blitzartig auf: Weiße Krankenhausräume mit freundlichen Bildern von Blumen an der Wand. Stille Verzweiflung in den Gesichtern. Das Tropfen der Chemo in den schwachen Körper.

Und jetzt ich?! Brustkrebs? Mit 44? Was?!?!

Ich hatte ein Buch gelesen, kurz zuvor, Chianti zum Frühstück, in dem die Protagonistin erst alkoholfrei zu leben beginnt und dann Brustkrebs entdeckt, und ich dachte nur- verdammt, gibt es ein Skript für Frauen über 40, die abstinent leben wollen?! Ich fing an zu weinen und zu beten, und dann wurde mir klar- das ist der Weckruf, Melanie.

Ab hier gilt es.

Ich konnte es niemandem sagen. Machte einen Termin beim Arzt für den kommenden Tag, meldete mich krank. Der Arzt bestätigte mir, da war etwas, dunkel auf dem Schall, 1,43 cm groß, unklarer Befund. Mammografie und Sonografietermine zur Kontrolle wurden angesetzt. Ich telefonierte nach einem Termin- in 4 Tagen war der schnellste frei. 4 Tage.

Warten. Gedankenkreisen. Warten. Verzweiflung. Etwas in mir wurde neben all der Verzweiflung allerdings ganz still.

Lass dich nicht beirren, sagte eine innere Stimme in mir. Das ist die Prüfung, wie sehr du glaubst. All das Gefasel vom Universum, von Louise Hay, vom Vertrauen in das Große Ganze- hier wird es überprüft.

Vertraue. Arbeite. Bete.

Und ich begann zu arbeiten. Sah mit der Todesangst im Blick auf mein Leben und merkte, wo ich mich selbst belog: In der Wohnsituation. In meiner Mutterrolle. In meinen familiären Beziehungen und in vielen anderen Dingen. Vier Tage, dachte ich, und ich bin bereit alles zu verändern- oder nicht?

Unbequem tauchte die Frage am hinteren Bewusstseinsrand auf und drängte nach vorne: Brauche ich diese Diagnose, diesen Schicksalsschlag, um endlich in den dunklen Ecken meines Alltags aufzuräumen? Ist sie eine Ausrede, um das Alte gehen zu lassen? Schaffe ich es auch ohne? Kann ich mich trennen vom falschen Selbst? Oder brauche ich sie nicht? Erlaube ich mir auch so gesund zu sein? Ich zu sein?

Mit vier Freunden teilte ich, was ich entdeckt hatte. Alle waren bei mir, zeigten Verständnis, schenkten Kraft. Aber ich merkte, wie wortlos die Trauer, die Angst auch herüberschwappten.

Raus aus der Komfortzone!

Ich begann mit der Arbeit und wurde meine eigene Klientin. Schrieb klare Affirmationen, betet zu allen guten Kräften, die mir einfielen, machte Energiearbeit, schrieb mir die dunkle Seele vom Herzen und stellte meine Ernährung noch einmal. Vegan, Vitamine, Spaziergänge, weiterhin keinen Alkohol.

Ich meditierte und las, las alles über Heilung, was ich finden konnte in der kurzen Zeit. Es half, dass ich schon eine breite Basis an Wissen hatte, auf die ich bauen konnte.

Die Fragen wurden immer unbequemer: Was willst du mir sagen, Brust? Was habe ich übersehen, Schatten? Was muss jetzt heilen? Was muss ich jetzt verzeihen?

Die Antworten kamen, als ich fragte. Und diesmal hörte ich hin und begann zu verändern, loszulassen, Abschied zu nehmen.

Aufwachen

Am Tag der Mammografie war ich gefasst. Hatte alles bereinigt, was mir auf dem Herzen lag. Hatte die neue Arbeitgeberin informiert und abgesprochen, wie es weitergehen könnte, falls, ja, falls es Brustkrebs sei.

Hatte die Finanzen gecheckt, einen Arbeitsbereich abgegeben, das Testament überarbeitet, die Vollmachten vorbereitet, mein Netzwerk und meine Ressourcen geklärt. Hatte mir für den Fall der Diagnose einen Plan zurecht gelegt. Hatte das Gespräch mit dem Mann in meinem Leben geführt und abgeklopft, wo wir stehen.

Ich fühlte mich vorbereitet.

Und dann kam alles anders: Zwei Ärzt:innen untersuchten den Befund, tasteten lange, sonografierten, sahen die Bilder an, kontrollierten erneut- und fanden…Nichts.

NICHTS.

Sie sahen Überreste einer unklaren Veränderung, die an einer Stelle in der Brust gewesen sein musste- aber sie war nicht mehr da. Weg. Verschwunden. Die 1,43 cm waren zu einem nicht sichtbaren Etwas zusammengeschrumpft, das nur noch einen Schatten hinterlassen hatte. Kein Knoten. Keine Diagnose.

Eine neue Chance, auf Leben, wurde mir geschenkt.

Seitdem ist alles klarer. Die Angst und der Schock haben den Blick freigeräumt für eine reale Bestandsaufnahme, was wirklich zählt. Die innere Welt, das Verwirklichen, den eigenen Traum leben.

Und nicht die bedingungslose Kapitulation vor den sogenannten “Setzungen” des Systems, also vor der “Wirklichkeit“, die etwas fordert, was wir vielleicht nur widerwillig geben, oder am liebsten gar nicht.

Seit ich an mir selbst diese Klarheit erfahren habe, weiß ich, dass mein Arbeitsthema nicht mehr nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein kann.

Selbstliebe und Hingabe an das eigene Innere sind von nun an mein Fokusthema. Natürlich gehört dazu, wie frau sich zwischen all den Stühlen ihres Lebens positioniert. Aber es ist mehr als nur ein Hineinpassend-Machen. Es ist ein Strahlen aus sich heraus.

Ich weiß jetzt, dass ich nur noch einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen kann. Höchst individuell und passend für die, die sich spüren und ausdrücken wollen. Denen das Leben auch laut und bunt oder still und monochrom vorkommt, und die sich darin wiederfinden wollen.

Es ist Zeit für mich, meinen Weg dahingehend zu öffnen, auch wenn ich noch nicht weiß, wohin er führt.

Für meine Arbeit mit Anker im Alltag hat das zwei Konsequenzen:

1. Vom Coaching zum Blog:

Ich ergänze mein Coaching hin zu mehr Blogging. Meine eigenen Erfahrungen können stellvertretend einen neuen Weg öffnen, auch für dich.

2. Das Unbekannte emfpangen:

Ich bereite mich darauf vor, in die Ungewissheit einzutreten und vertraue auf das, was an die Stelle all der Aufgaben tritt, hinter denen ich mich immer so gut verstecken konnte. Ich beende die Promotion, gehe auf die Reise, vertraue mich dem Universum an. Mein Herz strebt nach Fülle.

Für die Arbeit auf Social Media bedeutet auch das, dass es einen Shift geben wird hin zum Persönlichen, zum Du im Wir, aus dem Jede und Jeder ziehen kann, was er/sie braucht.

In vier Monaten steht der Kontrolltermin für die Brust an.

Darf ich mich freuen, dass ich gesund bin, wenn Schwestern noch leiden? Darf ich damit hausieren gehen, mit dieser neuen Chance?

Ich darf. Ehrfurchtsvoll, wissend um die Fragilität dieser Möglichkeit und um den großen Zufall, der dahinter steckt und den ich mir nicht rational erklären kann.

Ich bin dankbar, dass ich diese Chance erhalten habe und werde bis dahin alles verwirklichen, was ich mir selbst in den vier Tagen des Wartens versprochen habe, um weiter gesund an Seele und Körper zu bleiben.

Ich freue mich auf die Reise. Den Anker im Alltag werde ich nun in mir suchen, und ihn dort auswerfen, wo Friede und Wiederstand Freunde sein dürfen.