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Meine Freundin die Angst

Dieser Artikel enthält recht oft das Wort Angst. Wenn dich das triggert, überlege dir bitte, ob du weiterlesen möchtest.

Es ist Erntedank! Wenn du in einer überwiegend ländlichen Gegend wohnst, stehen die Chancen gut, dass du das Wort und die zugehörigen Festivitäten schon kennst.

Im Kreislauf der Jahreszeiten

Das, was heute als Erntedank gefeiert wird, lehnt sich an die Zeit an, in der die Menschen sehr eng angebunden an die Natur lebten. Ihr eigenes Überleben war eng mit dem Zirkel der Jahreszeiten verbunden und hing entsprechend davon ab, wie gut sie diesen verstanden. Sähen, pflegen, ernten- so wichtig war es, dass sie sich dem Prozess der Natur hingeben konnten. Das Erntefest war die Krönung des Wachstumsjahres, und in einem mehrtägigen Fest wurde ausgelassen gefeiert, wenn ein weiterer Zirkel erfolgreich abgeschlossen war.

In unserer digitalen Welt fragst du dich nun vielleicht, was diese nette Geschichte mit dir heute zu tun hat: Die Supermärkte liefern 24/7, ebenso der Versandhandel, und das „eigene Feld“ endet nicht mit der Landesgrenze. Körperlich arbeiten musst du wahrscheinlich auch nicht mehr, außer, du hast dir freiwillig einen handwerklichen Beruf ausgesucht.

Du bist Natur

Ich lade dich dennoch dazu ein, genauer hinzusehen: Auch du bist ein Teil der Natur, denn du hast einen Körper. Über diesen nimmst du schon wahr, dass die Tage kürzer werden, dass weniger Licht da ist, dass es kälter wird. Vielleicht deckst du dich mit Kerzen ein oder holst die Kuscheldecken aus dem Keller, und möglicherweise gehen deine Gedanken auch schon wieder mehr nach Innen. Auch bei dir im Leben zeigt sich das, was die Natur gerade durchmacht: So mancher Prozess endet, vielleicht entscheidest du dich bewusst dafür, die Beziehung gehen zu lassen oder deine Arbeitsstelle zu wechseln, und es findet ein kleiner Rückzug nach Innen statt. All das sind auch in unserer hellen und schnellen Zeit Anzeichen dafür, dass ein Teil in dir noch verbunden ist mit dem sehr alten Rythmus der Jahreszeiten.

Von besonderer Bedeutung ist diese Zeit, wenn du derzeit alleine bist. Das kann sein, weil du gerade keinen Partner, keien Partnerin hast, weil du Alleinerziehende bist, weil deine Partnerin länger nicht am Ort ist oder weil du generell weit ab von deinem Tribe, deiner Familie und deinen Freunden wohnst. Für dich ist diese Zeit deshalb so wichtig, weil sie dich zuerst einmal auf das zurückwirft, was du als soziales Wesen am wenigsten leiden magst: auf dein Alleine-Sein.

Angst? Ich doch nicht….

Ich weiß nicht, ob du deinen jetzigen Zustand freiwillig gewählt hast. Oder ob er dir aufoktruiert wurde, über Umstände und Personen, die eine andere Wahl getroffen haben als du. Was ich mir gut vorstellen kann, ist, dass du diesem Zustand mit Angst begegnest.

„Ich hab doch keine Angst vor dem Alleine-Sein“, denkst du jetzt vielleicht und zückst das Phone und scrollst durch deine 386 virtuellen Freunde. Oder du öffnest die Seite mit dem Wunschzettel beim Versandriesen und bestellst klick klick klick drei neue Oberteile und diese zuckersüße Flauschedecke. Okay, ich sehe schon. Angst ist kein Gefühl, mit dem wir gerne hausieren gehen. Sie kommt im Mantel der Kälte daher und fühlt sich unangenehm an. Vielleicht sitzt sie in deinem Bauch oder schnürt dir die Kehle zu oder du bekommst eiskalte Finger …. dein Körper zeigt dir trotz deiner Weglaufversuche im Außen, dass innen dieses mulmige Gefühl immer noch da ist. Gut so, finde ich! Wenn du das Och-Nö-Gefühl spüren kannst, bist du schon mal nicht mehr alleine.

Angst = Freundin

What?! Genau. Deine Angst ist eine treue und liebevollee Begleiterin, die dir ganz genau und ungeschönt zeigt, wo du gegen deine innere Natur arbeitest. Sie kommt meistens dann auf, wenn der nächste Schritt, das nächste Wort einen gewaltigen Sprung raus aus deinen bisherigen Erfahrungen bedeuten würde. Die Angst sagt also sowas wie: „Uh, nee, du, da kenn ich mich nicht aus. Lass uns jetzt heimgehen und noch ne Folge dieser Serie mit dem schnuckeligen Typen kucken.“ Dann zieht sie uns zurück in das Altbekannte und sorgt auch über den Körper dafür, dass wir sie auch wirklich wahrnehmen. Besonders gut kennst du das, wenn du bisher im Leben noch nicht so viele positive Erfahrungen machen konntest. Dann ruft die Angt umso lauter und weiß schon, was dann alles passieren wird. „Das geht sicher schief.“ „Du wirst versagen.“ „Das kannst du nicht.“ „Lauf weg!“ Ja, diese Angst ist wie ein kleines verzogenes Tier, das immer nur das Dunkle sieht. Und deswegen ist sie so wertvoll für dich.

Versteckst du etwas vor dir?

Gerade wenn du dazu neigst, dich mit einer Welle von „positiv Denken“ zu umspülen und nicht so wirklich gerne hinschaust, wo du noch wachsen darfst, macht die Angst in deiner Seele das Licht an. Sie beleuchtet ganz genau, was noch im Schatten, im Verborgenen ist und wo du noch nicht voll in deiner Größe angekommen bist. Danke, Angst!

Auch wenn sie dich beutelt und sie dich nervt und in ganz argen Fällen dazu zwingt, das Haus nicht zu verlassen oder nicht mehr unter Menschen zu gehen, ist deine Angst dein Freund. (Wenn du ganz schlimm unter ihr leidest, solltest du dir professionelle Hilfe holen, damit sie dir nicht deine Lebenslust raubt. Deine Hausärztin oder dein Arzt ist hier die erste Ansprechperson und kann dich an eine/n Psycholog/in verweisen.)

Sie taucht immer dann auf, wenn es um etwas ganz besonders wichtiges geht, das du selbst vielleicht noch gar nicht als Wichtig für dich erkannt hast: Du sollst auf dem Abschlussfest eine Rede halten und wirst stocksteif? Hier geht es vielleicht darum, dass du immer perfekt sein willst. Du sollst deine Verwandte pflegen und bist gerade erst die nächste Karrierestufe hochgeklettert? Hier darfst du lernen Nein zu den Erwartungen anderer zu sagen und dich um dich selbst kümmern- auch wenn das bedeutet, dass du vielleicht mit Ablehnung zu kämpfen hast.

Die Angst, die du spürst, verweist auf ein dir wichtiges Thema

Du kannst dir sicher sein, dass ich mehr als genug Erfahrung mit der Angst gemacht habe. Sie ist auch bei mir eine treue Begleiterin, die mir immer wieder sagt: „Halt, schau hier genauer hin, hier geht es um Grundlegendes für dich.“ Ich nutze daher die nun kommende Zeit, um wieder stiller im Außen zu werden und genauer hinzuhören, was in mir los ist.

Wie gut, dass die Natur diese stillere Zeit sozusagen schon eingeplant hat: Nach dem Rytmus von Säen, Warten und Ernten kommt nämlich noch eine Zeit, in der die Erde ruht, wenn man sie lässt. Dann sammelt sich alles und stärkt sich wieder für den neuen Kreislauf.

Du darfst hinschauen

Wie wäre es, wenn auch du dir Zeit nimmst, in Ruhe einmal hinzuschauen, was sich bei dir so angesammelt hat? Gerne helfe ich dir auch dabei, zu sortieren, wenn deine Angst und du noch nicht so ein freundschaftliches Verhältnis habt. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass du genug Zeit dafür hast. Einen wunderschönen Start in die dunklere und stillere Jahreszeit für dich. Ich hoffe, ihr vertragt euch gut, deine Angst und du 😉