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Im Alltag Farbe bekennen und zu dir stehen- so geht’s

Wie du weißt, blogge ich hier über Dinge, die mir im Alltag begegnen. Thematisch bewege ich mich dabei relativ frei, darum geht es in diesem Artikel sowohl um meine Haarfarbe als auch darum, wie du herausfindest, was dir wichtig ist- und wie du dann dazu stehen kannst.

Fangen wir einfach bei meinen Haaren an.

Neulich hatte ich die Idee, dass ich mir nach vielen Jahren der Haarkoloration mal ansehe, welchen Grundton ich natürlicherweise mittlerweile so trage.

Das Ergebnis war ernüchternd- nach dem Alleinerziehend-Sein und dank eines zeitweisen sehr stressigen Lebensstils bin ich mittlerweile weißer als ich dachte. Ziemlich weiß sogar.

Nachdem sich der erste Schock gelegt hat, habe ich mit dem Gedanken gespielt, das einfach selbstbewusst so zu tragen und auch im Bereich der Schönheitspflege meinen durchaus natürlicheren Look zu perfektionieren, indem ich mich als Frau dem gängigen Ideal ewiger Jugend einfach entziehe – und nicht mehr färbe.

Ich war unsicher, ob ich es gut finden würde und dachte, ich probiere es einfach einmal aus.

4 Monate lang umging ich das Färben und beobachtete, was die Nichtfärberei mit mir macht. (Keine Sorge, ich komme gleich zu dem Punkt, an dem du hoffentlich etwas aus meinem Artikel mitnimmst.)

Das Ergebnis:

Einerseits war es sehr entspannend, keinem Ideal hinterherzulaufen. Ich kam mir mutig und frei vor. Mir fielen die vielen Frauen auf, die nicht färben oder die sich in anderer Weise nicht am gesellschaftlichen Mittel orientieren.

Einige von ihnen tragen ihre Natürlichkeit mit einer unglaublich stakren Schönheit, so dass ich mich mehrfach gefragt habe, was eigentlich mein Problem ist. (Dazu gleich mehr.)

Und was ist das Problem?

Andererseits, und das war mein persönliches Problem, habe ich mich alt gefühlt. “Alt” im Sinne von nicht mehr ich selbst. Meine Haare nicht mehr in leuchtenden Flammen zu sehen, war, als hätte ich einen sehr lebendigen Teil von mir abgetrennt, um zu etwas zu werden, was ich (noch) nicht bin.

Im Spiegel blickte mir jemand entgegen, die ihr persönliches Feuer gegen etwas sehr sehr unscheinbares eingetauscht hatte. Überraschend, wo ich doch (so dachte ich!) eher weniger an Äußerlichkeiten interessiert bin.

Das Ergebnis: Gestern habe ich wieder umgefärbt, und mit jedem Flecken Henna kam ein Stück meiner Persönlichkeit zurück.

Oberflächlich, meinst du? Vielleicht magst du noch einmal genauer hinsehen.

Das Ausprobieren aht mir viele neue Erkenntnisse geschenkt, die ich hier mit dir teilen möchte:

Ich habe mich in den Prozess hineinbegeben und etwas versucht, dessen Ergebnis mir nicht klar war. Es hätte ja auch sein können, dass ich mich in der neuen Weißhaarigkeit sehr wohl gefühlt hätte, dass mit der Koloration alle Zwänge von mir abgefallen wären und dass ich von einer neuen Leichtigkeit beflügelt, mich zu neuen kreativen Höchstleistungen aufgeschwungen hätte.

Das war leider nicht der Fall. Im Gegenteil drehten sich meine Gedanken mehr um mein Aussehen als jemals zuvor, und das hielt mich von wirklich wichtigeren Themen ab.

Farbe bekennen = zu dir zu stehen

Zur Farbe und damit zu meinem persönlichen Ausdruck zu stehen, half mir, mich den für mich wichtigen Themen zuzuwenden und eben diese Aussehensfrage nicht mehr in den Mittelpunkt stellen zu müssen. Ergo: Mich gibts in bunt. Punkt.

Lustigerweise kannst auch du das Verfahren auf ganz viele Bereiche im Alltag übertragen, in denen du unsicher bist, wo du eigentlich genau stehst.

Ich fasse mal zusammen:

  1. Finde einen Bereich, in dem du dir über deinen Standpunkt unsicher bist.
  2. Lote die Gegenpole aus und definiere die Endpunkte.
  3. Probiere einen Pol, der entgegen dem steht, was du bisher gemacht hast, wirklich und wahrhaftigt für eine gewisse Zeit lang aus und beobachte, wie es dir damit geht.
  4. Entscheide dich, wenn du genug Infos und Gefühlseindrücke gesammelt hast, wo du stehst und wie du in Zukunft darüber denken oder wie du handeln wirst.

Eigentlich ganz einfach, oder?

In der Praxis kann dir das helfen, bei wichtigen Themen im Alltag Farbe zu bekennen: Fleisch essen ja oder nein, oder nur bio? Mit dem Rad fahren und das Auto abschaffen? Dich nur von dem ernähren, was die Natur dir schenkt? Eine feste Beziehung eingehen oder single bleiben?

Diese Fragen sind in der Praxis besser zu lösen als in der Theorie. Mein haariges Beispiel konnte dir das hoffentich verdeutlichen.

Die Methode der Praxisprobe wende ich übrigens immer dann an, wenn ich das Gefühl habe, dass ich mir selbst möglicherweise etwas vormache. Dann zeigt sich im “Tun” immer schnell, ob ich wirklch Lust auf etwas habe oder nicht.

Eine Woche überall hinzulaufen hat mich im ländlichen Setting mit vielen Verpflichtungen zum Beispiel davon überzeugt, dass ich zwar nicht auf mein Auto verzichten möchte, dass es aber durchaus Alternativen gibt, die Wege zu bündeln und damit effektiv weniger zu fahren.

Und meine Tätigkeit als Autorin und Coach wäre mir im Traum nicht halb so positiv aufgefallen, wenn ich nicht einfach hineingesprungen wäre und mir eine Frist gesetzt hätte, innerhalb derer ich mich entscheide, ob ich weiter mache. (Ja, mache ich. Mit Herzblut.)

Schau du doch auch einmal, wo du im Alltag Farbe bekennen magst. Wenn du unsicher bist, wie du zu einer Sache stehst, kann du einen Pol ausprobieren, dich eine Weile darauf einlassen und dann sehen, wie es dir damit geht. Danach weißt du auf jeden Fall, was du willst und kannst deine Ansichten mit Praxisargumenten vertreten, die für dich zählen.

Und das ist es doch, was uns authentisch macht: Unsere eigene Haltung zu leben, die wir überprüft und für gut befunden haben.

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